Eine Zusammenfassung der Konferenzbeiträge unserer Mitarbeiter D. Burghardt, E. Fankhauser, M. Vukovic
für Klaipeda/Litauen im April 2010 zum Thema: "Kultur - Offenbarungsebene der gelebten Werte aus Humanismus, Wissenschaft , Kunst und Religion"
Die Bedeutung von Kunst und Schönheit –
die Kunst bzw. die Schönheit in der Kunst muss dem Allgemeinwohl dienlich sein!
Die Geschichte der Kunst ist zugleich die Geschichte der Entwicklung der Menschheit und des Strebens nach Schönheit und Vollendung. Dies bestätigen uns die wundervollen Zeugnisse aller Hochkulturen auf allen Feldern der Künste. Wo stehen wir aber heute? Es dürfte kein Zufall sein, dass die weltweit zu beklagende Degeneration der Schönheitswerte, des menschlichen Gefühls für Schönheit, mit weltweiten Unruhen, terroristischen Aktivitäten und Kriegen zusammenfällt. Heute wird der Begriff „Kunst” vielfältigst, ja geradezu inflationär sowie pervertiert verwendet – z.B. mit Titeln wie die „Kunst des Verrats“, die „Kunst des Nichtstuns“, des „Lobbyings” oder die „Kunst der Kriegsführung” – dabei wäre Krieg doch als Ausdruck höchster Un-Kultur zu bezeichnen!
Kultur und Zivilisation
Der Begriff der KULTUR wird heute von der Zivilisation so ziemlich verdrängt. Es wird kaum mehr verstanden, dass ein sog. „zivilisierter Mensch” – vom kulturellen Standpunkt aus – dennoch höchst primitiv sein kann. Zivilisation dient in erster Linie allen Faktoren der Erhaltung und Förderung des täglichen Lebens und wird reflektiert z.B. in der Wirtschaft oder im Konsumverhalten. Leider hat – im Vergleich zum geistig-kulturellen Fortschritt – im zivilisatorischen Bereich eine übermäßig und einseitig intellektuelle Entwicklung stattgefunden; d.h. es ist ein verhängnisvolles Ungleichgewicht entstanden, das die gesamte Menschheit bedroht. Denn reiner Intellekt – ohne geistige, charakterlich-ethische Leitlinien als vorgegebenem Entwicklungsrahmen – wird in erster Linie das Machbare, und sei es noch so schädlich in den Auswirkungen, durchsetzen. Am gefährlichsten wird dies, wenn es mit dem niederen Instinktverhalten wie Gier, Machtstreben, Egoismus gekoppelt ist. In einer solchen Lage befindet sich die Menschheit weltweit. Es muss deshalb dringend verstanden werden, da überlebensnotwendig, dass Kultur – die Verehrung des Schönen, der höchsten Dimensionen – die elementaren, gemeinsamen Grundlagen der Menschheit und ihrer Entwicklung betrifft. Kultur sollte als menschheitsverbindendes geistiges Prinzip erkannt werden! Den Künsten bzw. den Künstlern kommt der sehr wichtige Auftrag zu, die Menschen wieder an die wahre Bedeutung der Kultur zu erinnern.
Kunst und ihre Bedeutung
Die Bedeutung der KUNST liegt in ihrer Wirkung auf den Menschen. Ihr obliegt die beachtliche Aufgabe, ihn zu erziehen, zu inspirieren und zu erheben. Die Schönheit der Formen und Farben, der Töne und Worte bilden ihre Grundlage. Die Kunst kann somit als Mittler bzw. Medium betrachtet werden, die den Menschen umgebende Natur – in all ihren sichtbaren und unsichtbaren Erscheinungsformen – erfahrbar zu machen. Somit ist Kunst auch Ausdruck jener Gedanken, die die Schönheit der Wirklichkeit und des Aufbaus der uns umgebenden Realität einzufangen vermögen. Nehmen die Ausdrucksformen einen negativen, ablehnenden und hässlichen Charakter an, wird ihnen also die Grundlage der Schönheit entzogen und führen sie den Menschen zu einer verzerrten Wahrnehmung, dann kann nicht mehr von einem Kunstwerk gesprochen werden. – Im Gegenteil: Wir sprechen dann von Pseudo-Kunst, und diese erniedrigt den Menschen, macht ihn geistig schwach und demoralisiert ihn!
Kunst definiert sich dadurch, einen wahrnehmbaren Eindruck – sei er materiell oder immateriell – durch die Vorstellungs- und Schöpferkraft des Künstlers in ein für die Öffentlichkeit erfassbares Medium zu kleiden und dabei eine Steigerung gegenüber der für den Menschen gewöhnlich wahrnehmbaren Realität darzustellen. Kunst ist somit ein Mittel zur Bewusstseinserweiterung, denn sie führt zu vollkommeneren Formen und Vorstellungen, welche gewöhnlich außerhalb der menschlichen Wahrnehmung liegen.
Kunst und Schönheit in der Natur und im Leben
Die umgebende Natur reflektiert diesen Vorgang, denn in der Erscheinungswelt unterliegen die Formen einer ständigen Umwandlung zu immer schöneren, feineren und vollkommeneren Kombinationen. Hinter diesem Geschehen verbirgt sich kein zufälliges Prinzip, sondern ein gegebenes Ordnungsprinzip, denn das Streben der Natur besteht darin, das alle Formen und Erscheinungen durchdringende Lebensprinzip immer klarer zum Ausdruck zu bringen. Die Natur endet nicht an der Grenze der für uns wahrnehmbaren Erscheinungswelt, sie geht weit darüber hinaus, sie bildet eine Einheit mit ihrer höheren und feineren Wirklichkeit, mit dem gesamten Aufbau des Kosmos. Daher ist es dem in den Formen und Körpern wirkenden Leben – individuell sowie kollektiv – möglich, immer vollkommenere Ausdrucksformen zu finden. Kunst im wahren Verständnis, als ein Medium des nach Ausdruck und Schönheit strebenden Menschen, kann als Vorgang verstanden werden, welcher demjenigen innerhalb der Natur völlig gleicht.
Gerade in der Natur kann der Mensch durch genaues Beobachten viel Schönes finden. Je gründlicher und sorgfältiger er diese betrachtet, desto mehr Feinheiten werden in seinem Bewusstsein aktiviert oder hervorgerufen. Der aufmerksame Beobachter findet die Schönheit in den blendenden Strahlen der Sonne, der glitzernden Sternenwelt, die wie Kristalle funkelt; aber auch im gesamten Leben der kleinen und verhältnismäßig unbedeutenden Erde, die – im Vergleich zu den unzählbaren Myriaden bewohnter und unbewohnter Welten – nur einem Sandkorn gleicht. Allein die einfachen und zarten Blumen einer Bergwiese, die Vogelwelt eines Urwaldes, die Fische der Meere u.a.m. lassen einen ehrfürchtigen Beschauer nicht aus dem Staunen herauskommen; desgleichen die Beobachtung der Tierwelt, auch der Käfer oder der noch kleineren Tiere der Mikrowelt. Überall begegnen wir den Wundern der Schönheit, Harmonie und Vollkommenheit.
Schönheit ist eine Widerspiegelung der im Verborgenen wirkenden Naturgesetze – ein Begriff, mit dem Gefallen bekundet wird, der eine hohe ästhetische und damit verbundene ethische Wertung zum Ausdruck bringt. Je bewusster der Mensch dies erkennt, umso stärker bzw. ästhetischer die Wirkung auf seine Empfindungen. Das Mass zur Bewertung der Künste besteht in dem durch sie ausgedrückten Grad der Schönheit. Das Weltenall besitzt einen hierarchischen, rhythmischen Aufbau, in dem Mass und Zahl die bestimmenden Faktoren bilden. Das Höhere und Feinere bewegt und prägt das Gröbere, Stofflichere, durchdringt es und bewegt es dazu, bestimmte Formen anzunehmen. Die Natur betreibt Geometrie und Kunst nach diesen Naturgesetzen; nach dem Gesetz der Schönheit und der Harmonie.
Grundsätzlich gibt es in der Natur nichts Missgestaltetes oder Negatives. Der Himmel bzw. die Höhere Welt hat sich auf der Erde vor allem in den Blumen niedergelassen. Dies wird jedem bewusst, der diese Herrlichkeit betrachtet, von den einfachsten Blumen mit ihren bescheidenen Blüten bis zu den wunderbaren Orchideen und duftenden Rosen. Sie sind ein Geschenk des Himmels, um im Menschen das Gefühl der Schönheit zu erwecken sowie ihn die Schönheit der Höheren Welten erahnen zu lassen.
Jeder in Erscheinung tretende Ausdruck der Natur besitzt seine Grenzen innerhalb der Materie und letztendlich auch ein zeitlich limitiertes Dasein. Das die Form primär Prägende ist das in ihr verborgene Lebensprinzip. Um mittels Differentiation überhaupt etwas voneinander unterscheiden zu können, benötigen die Menschen endliche und begrenzte Dinge, denn hierauf beruht die ihnen innewohnende Wahrnehmung. Je tiefer der Mensch in den Weltenaufbau eindringt, umso feiner und umfassender werden die verschiedenen Lebenserscheinungen; sie bilden immer größere Einheiten und verlieren auf höherer Ebene ihre sie begrenzenden und für den Menschen materiell wahrnehmbaren Formen. Dieser Aufbau wird auch von der modernen Physik bestätigt. Die im Mikrokosmos als Entitäten erscheinenden Manifestationen – z.B. Photonen und Elektronen – sind in Wirklichkeit auf einer weiteren, höheren und feineren Ebene alle untereinander vernetzt und bilden immer größere Einheiten. Aus naturphilosophischer Sicht muss es einfache, nicht weiter differenzierbare Substanzen geben, die sich über die Tatsache, dass im dialektischen Gegenüber zu diesen „monadischen” Elementen Zusammengesetztes existiert, logisch herleiten lassen. Diese Erkenntnis führt und zwingt letztlich zur Annahme eines zeitlich sowie räumlich unbegrenzten Aufbaues, einer alles umfassenden Einheit die alles durchdringt, innerhalb jeder formgebundenen Naturerscheinung existiert und ein ewiger Beweger allen Lebens darstellt. In diesem absoluten Kraftfeld existiert nur ein Leben, ein Sein – keine Leere oder ein Nichts. Aus dieser höchsten Quelle treten alle Gesetze hervor; daher existiert eine formlose, unbegrenzte und absolute Schönheit, die im geoffenbarten und begrenzten Kosmos als Gesetz wirkt. Kunst besteht auf allen Stufen der menschlichen Evolution und erhebt den Anspruch, sich Schritt für Schritt durch die Schöpfung ihrer Werke graduell an diesen höchsten Ausdruck der Schönheit anzunähern. Kunst ist ein Weg, Kunst ist Wissen, Kunst ist ein Mittel, das sämtliche Offenbarungen des menschlichen Geistes oder des Strebens nach Vollendung zum Ausdruck bringt.
Die Schönheit in den Künsten hat eine wahrhaft große Bedeutung
Hochkulturen konnten sich nur in Zeiten des Friedens, d.h. gesellschaftlicher Harmonie, entwickeln; maßgeblich beeinflusst durch die Künste und ihre Schönheit – weil die Führenden die Bedeutung der Schönheit kannten und diese verehrten, die Bedeutung der Formen, Farben und Töne. Nicht nur, dass sie selbst oft hoch gebildet in allen musischen Bereichen waren: Sie räumten auch allen wahren Künstlern einen hohen Stellenwert ein und förderten, schätzten und schützten sie. Zu einer solchen Haltung waren sie aber erst durch die denkerische Vorarbeit der besten Wissenschaftler und durch geistige Wissensvermittlung der Weisheitslehrer imstande, d.h. durch umfassende Erziehung und Bildung auf jeweils höchstem Niveau, so dass künstlerische Umsetzung bzw. Entfaltung des Schönsten und Besten in allen gesellschaftlichen Bereichen ein quasi vollkommen natürlicher, evolutiver Prozess sein konnte, und in einer solchen Synthese die Regierungsweise der Führenden dergestalt befruchtete, dass – zu Recht – von „Staatskunst” gesprochen werden konnte.
Wir stellen fest, dass die Schönheit in der Kunst eine besondere und wahrhaft große Bedeutung hat. Schönheit ist der höchste Ansporn für das Wachstum des Geistes und der Kunst einziger Maßstab sowie ihr führendes Prinzip. Kunst ist untrennbar mit Schönheit verbunden.
Auch in den Vorstellungen der Weltreligionen wird Gott oder das Göttliche bzw. das Universum als Inbegriff der Schönheit gepriesen – als Inbegriff der Herrlichkeit, der Wahrheit, insgesamt der höchsten Vollendung, die durch die Schöpferkraft in der Natur in allen Formen der Schönheit ausgeprägt ist. Das Göttliche ist die vollendete Schönheit der Natur – oder anders herum: Die vollendete Schönheit der Natur ist ein „Synonym” für Gott bzw. das Göttliche, für die Ordnung oder für den Kosmos oder das Universum. Je mehr bzw. je aufmerksamer der Mensch in die Natur eindringt – sei es in die Mikrowelt oder in die Makrowelt – umso größer und strahlender fängt vor ihm die Schönheit des durch göttliche Schöpferenergien geschaffenen Lebens mit allen wunderbaren Einzelheiten zu leuchten an. Es ist jedoch eine Kunst, diese Schönheit zu finden und zu sehen. Das Göttliche als Ausdruck unpersönlicher Schöpferenergien überall und in allem zu sehen und zu verstehen setzt eine hohe Stufe der geistigen Entwicklung voraus.
Die Künstler sollten dem Höchsten nacheifern und den universellen Gesetzen entsprechen
Mit zunehmendem Bewusstsein wird der Mensch erkennen, dass es keinen furchtbaren und rachsüchtigen Gott gibt – wie dies noch heute vor allem im Juden- sowie im Christentum gelehrt wird; sondern nur hilfsbereite, mitleidige und liebende Götter oder Logoi, die die Sonnensysteme und Planeten lenken. Logoi, welche die Schönheit versinnbildlichen und überall in die Natur hineintragen, indem sie das Chaos der Materie in Schönheit umgestalten und ihm die Form des Geistes einprägen. Die Aufgabe der Kunst ist es, ihnen nachzueifern und höchstmögliche Schönheit bzw. Ordnung oder Harmonie in das Kunstwerk hineinzutragen. Kein Weltlehrer hat jemals behauptet, in den Höheren Welten etwas Hässliches, Missgestaltetes oder Unschönes gesehen zu haben. Im Gegenteil: Sie alle berichten übereinstimmend von der außergewöhnlichen und geradezu blendenden Schönheit der Höchsten Wesen und Welten.
Die Kunst, Natur richtig zu schauen, muss gelehrt und erlernt werden, und hierzu verhelfen die Werke der besten Meister der Kunst. Sie gleichen Magneten, die Blick und Gefühl anziehen – nicht nur auf dem Gebiet der Malerei. Die Namen der größten Künstler sind der ganzen Welt bekannt und in allen Kulturen, Rassen und Völkern zu finden. Sie sind als weit in die Zukunft Blickende und sich als Brüder und Schwestern der Menschheit Verstehende zu betrachten. Ihre Kunst strahlt für die gesamte Menschheit. Die Künstler selbst werden zu einem internationalen gemeinsamen Kulturbesitz. In diesem Zusammenhang ist in großer Dankbarkeit z.B. auf Leonardo da Vinci, Goethe, auf das große Lebenswerk Helena und Nicholas Roerichs hinzuweisen, auf Shakespeare, Dostojewski, Rubens, Mozart, Beethoven, Wagner u.a.m hinzuweisen. Alle diese Fackelträger der Kultur – samt den Begründern der Religionen und Weisheitslehren – wiesen auf die Naturgesetze, d.h. auf die Kosmischen Gesetze und deren Harmonie (griech.: Ordnung) in den zu ihren Zeiten adäquaten Begriffen und Ausdrucksweisen hin. Sie bezogen sich stets auf die universellen Gesetze der Kausalität, Hierarchie, Evolution und andere, die ausnahmslos ALLEN und ALLEM gelten – und denen die Menschheit zu entsprechen hat, um sich in Freude schöpferisch entwickeln zu können.
Schönheit und Herzdenken – der Schlüssel zu einer besseren Welt
Für die menschliche Evolution ist es unerlässlich, das Streben nach Schönheit mit der Verbesserung der Gedanken zu verbinden, denn nur ein schöner, „herzhafter” Gedanke, d.h. nur die Kunst des Denkens kann ein wahres Kunstwerk entstehen lassen. Nur die Schönheit, deren Grundlage auf dem „Herzdenken” beruht, führt zur Harmonie und zu einer friedlicheren und gerechteren Welt. Das Streben nach Schönheit mit der Verbesserung der Gedanken zu verbinden – unter Einbeziehung des Herzens – ist für die Bewusstseinsbildung von höchster Wertigkeit; und nicht nur im irdischen Zustand, sondern auch für den Sterbenden und das Leben danach, für den Übergang und das Leben im Überirdischen. Dort wird das Wesen „Mensch” in jener Umgebung weiterleben, in die es sich – entsprechend seines Bewusstseins – „hineinzudenken” vermag. Ohne rechtzeitige Verfeinerung des Herzens ist es unmöglich, die Schönheit und Feierlichkeit dieser Welten in sich aufzunehmen. Wenn bereits die irdische Welt so reich an Schönheit ist, um wie viel mannigfaltiger und herrlicher muss dann erst die höhere Feinstoffliche Welt und wie majestätisch die Feurige Welt des reinen Geistes sein!?
Ohne einen inneren Drang zum Schönen und die Verwirklichung der erforderlichen Aufgaben ist der Weg zum Kulturmenschen – zu einem innerlich friedvollen, verfeinerten, herzbetonten und gesunden Menschen – nicht denkbar. In der Bewusstseinsbildung kommt vor allem den ethischen Werten eine große Bedeutung zu. Ethik als Sozialwissenschaft ist von höchster Priorität – besonders in der Herzensbildung. Das Herz galt und gilt auch heute noch in den verschiedensten Kulturen als Zentrum der Lebenskraft; darüber hinaus als Ort des Gewissens, der inneren Stimme, d.h., des Inneren Wissens oder des geistigen Bewusstseins. „Das Herz ist der Schlüssel der Welt und des Lebens“, sagte schon der namhafte Philosoph Novalis (1772-1801). Um eine Welt des Schönen und der Harmonie zu erschaffen, sind verfeinerte Herzenseigenschaften unbedingt erforderlich! – Desgleichen um ein wahres Kunstwerk entstehen zu lassen! Verfeinerte, aus dem Herzen kommende Gedanken sowie das Streben nach Schönheit und Vollkommenheit in allem kann die Menschen aus dem Wirrwarr von heute befreien – ja, die Erkenntnis und Verwirklichung des Schönen wird die Welt erretten!
Erst wenn Zivilisation durch Kultur geprägt ist, erst wenn Kulturverhalten, das sich über Respekt vor der geistigen Gemeinsamkeit der Menschheit ausdrückt und nur über Herzensbildung, Charakter- und Bewusstseinsentwicklung erreicht werden kann, wieder das Primat einnimmt, erst dann kann ein Neues Zeitalter des Friedens, der Freude und wahrer Freiheit entstehen. Schönheit zu erkennen, sie bewusst wahrzunehmen und sich darüber zu freuen, ist eine der notwendigsten Bedingungen der Evolution. Dazu muss die Schönheit der Kunst dem Menschen bzw. dem Allgemeinwohl dienlich sein.
Die Verantwortung des Künstlers
Aus all dem bis jetzt gesagten geht die große Verantwortung der Kunstschaffenden hervor. Grundsätzlich ist die Qualität des Werks eines Künstlers von seiner Begabung und seinem Bewusstsein abhängig. Ein Künstler nimmt eine Schlüssel- und Vermittlerposition als Mediator der Botschaft des Höchsten, des Schönsten, der erwähnten unveränderlichen Gesetzmäßigkeiten ein. Welch’ hochverantwortliche Aufgabe! Welch’ eine Herausforderung bezüglich der eigenen Entsprechung!
Ein Künstler muss höchstmögliche Schönheit bzw. Harmonie – ja, seine ganze Liebe – in das Kunstwerk hineintragen, um eine kräftige und möglichst harmonische Schwingung im Betrachter seiner Werke erzeugen zu können. Auf diese Weise wird in den Menschen nicht nur die Liebe zur Kunst selbst, sondern auch die Liebe zu allem Leben gefördert. – Schönheit besitzt eine mächtige, anziehende und schöpferische Kraft!
Jedes Motiv eines Kunstwerks verlangt nach sorgfältiger Auswahl. Es muss mit größtmöglicher Vollkommenheit durchdacht und erarbeitet werden und muss unbedingt eine Idee zum Ausdruck bringen, wobei die grundlegende Bedingung der Schönheit erfüllt sein muss. Das Werk selbst sollte für sich sprechen und den Gedanken des Künstlers klar zum Ausdruck bringen, ohne zusätzliche Erklärungen nötig zu machen; es sollte eine individuelle Note erhalten und beim Betrachter oder Zuhörer einen bleibenden ästhetischen Genuss hervorrufen. Der Betrachter oder Zuhörer sollte beim ersten Blick bzw. mit dem ersten Gefühl erfassen können, welche Idee über das Medium des Kunstwerks transportiert werden soll. Ein wahrer Künstler vertritt nicht nur seinen speziellen Bereich, sondern bringt auch den anderen Kunstrichtungen Interesse entgegen. Nur unter dieser Voraussetzung ist es einem Künstler überhaupt möglich, seinem Werk einen besonderen Ausdruck zu verleihen, denn dies befähigt ihn, verschiedene Einflüsse anderer Kunstzweige in seinem Bereich zu einer Synthese zusammenzuführen.
Ein Künstler muss sich auf seinem jeweiligen Gebiet einerseits ständig bewusstseinsmäßig wie auch charakterlich-ethisch vervollkommnen, um über seine Herzensentwicklung Zugang zu den höchsten Intuitions- und Inspirationssphären zu erhalten; zum anderen ist er verpflichtet, seine Erkenntnisse, sein Wissen und Können an seine Schüler weiterzugeben, z.B. im Sinne einer Meisterschule, als Stätte wahrhaft kulturell-geistiger Bildungsarbeit; aber auch an Führende aus Politik und allen gesellschaftlichen Bereichen.
Auch muss der Künstler oder die Kunst besonders der jüngeren Generation dienlich sein, den überlebenswichtigen Weg zur Schönheit zu finden, um ebenso diese Schönheit in die Welt hineinzutragen, ausgedrückt hauptsächlich durch ihre Freude und ihre Gedankenenergie, durch schöne und energiereiche Gedanken, Gefühle, Worte und Taten! Im Hinblick darauf ist es sehr wichtig, besonders schon die Kinder zu fördern und in den Schulen entsprechende Lehrfächer einzuführen, um ihnen behilflich zu sein, ihr Erkenntnisvermögen für das Schöne zu entfalten. Schönheit wie auch Musikalität und anderes mehr bedarf der Erziehung und der Bildung! – So müssen die noch schlummernden Talente bereits in den kleinen Kindern geweckt werden!
Allen Menschen ist eine entsprechende Neigung eingepflanzt, aber ohne deren Entfaltung wird sie nur latent vor sich hin- und weiterschlummern. Hat jemand nie gelernt, sein Wahrnehmungsvermögen zu verfeinern, dann werden auch die Wirkungen, zum Beispiel einer Musiktherapie bei Krankheiten – wie sie zu therapeutischen Zwecken heute vielfach und erfolgreich angewendet wird und die an und für sich sehr bedeutend sein kann – relativ gering ausfallen.
Abschließend eine bedeutsame Bekräftigung: Die Menschen – und im Besonderen die Künstler – sollten nie die Natur vergessen, denn diese ist nach schönen und harmonischen Prinzipien geordnet, immer zur Vollkommenheit strebend! Die Menschen müssen schätzen lernen, was immer zum Schönen führt. Schönheit muss die Grundlage allen Denkens, Fühlens, der Worte und aller Taten sein!
Und nochmals:
Schönheit zu erkennen, sie bewusst wahrzunehmen und sich darüber zu freuen, ist eine der notwendigsten Bedingungen der Evolution. Dazu muss die Schönheit der Kunst dem Menschen bzw. dem Allgemeinwohl dienlich sein…