- „Wer dem Tod begegnet, verliert die Angst davor“
- Intuition - Gefühlswissen - Herzdenken
- Der Ruf nach geistiger Erneuerung
- DEFINITION und Bedeutung von verwendeten Begriffen
- Vom nostalgischen Wunschdenken hin zu den Wirklichkeiten
- DEFINITION „Moral“ und „Ethik“
- DEFINITION „Synthese“
- Vatikan: Für eine gemeinsame Weltethik
- Gemeinsame Ethik Asiens und Europas
- PSYCHISCHE ENERGIE: Sicherheit ist nur in den Türmen des Geistes!
- Islam zwischen Tradition und Moderne
- Grundverständnis: Die Notwendigkeit der Bewußtseinserweiterung
- Grundverständnis: Die Begriffe "Religion" und "Kirche"
- Grundverständnis: Begriffe im Islam
- Von „Anderen” – Religionen, Weltanschauungen, Konfessionen o.ä. – lernen?!
- "Frieden lernen!"
- Islam - eindeutige ethische Grundhaltung
- Christentum und Islam - beide müssen geistes-wissenschaftlicher werden
- Begriffe im Islam - "Djihad", "Scharia"
- JESUS – eine wissenschaftliche Betrachtung
- Das kosmische Feuer – an der Schwelle
- Die Bedeutung der Künste für die Zivilisation und die Verantwortung des Künstlers“
- "Geistige" oder "geistliche" Gemeinsamkeit?
- Fundamentale Wahrheit aller großen Welt-Religionen
- Russisch-orthodoxe Kirche: ethisch-interkulturell - dynamisch unterwegs
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Jeder Mensch hat die Fähigkeit, sich selbst und seine Umgebung wahrzunehmen. Durch diese Eigenschaft wird uns die Existenz erst eigentlich bewußt. Bewußtwerdung oder Aufnahme ins Bewußtsein ist die grundlegende Voraussetzung, um Leben und Sein überhaupt wahrzunehmen. Das Bewußtsein – als Fähigkeit der Beobachtung und Wahrnehmung – ist jedoch nicht nur individuell von Mensch zu Mensch verschieden, sondern auch innerhalb eines Volkes und einer Rasse. Darüber hinaus ändert sich das Bewußtsein der ganzen Menschheit von Jahrtausend zu Jahrtausend und bleibt niemals stehen. Die Gesetze der Evolution verlangen eine unaufhörliche Entwicklung. Auch die jetzt gegebene neue Lehre ist nicht die letzte. Wenn die Zeit gekommen ist, in der die Menschheit neuerdings auf eine höhere Bewußtseinsstufe geführt werden soll, wird wiederum ein Abschnitt beendet sein und neues Wissen aus der Quelle der „Weißen Bruderschaft“ der Menschheit zuströmen. Es wird auch nie etwas absolut Neues geben. Alles Wissen ist an sich ewig im Universum vorhanden. Die Menschheit erhält jedoch aus diesem Meer des Wissens und der Weisheit jeweils nur das für sie Notwendige. Keine neue Lehre widerspricht der vorhergehenden, weil sie aus demselben Urquell kommt; es findet lediglich eine Erweiterung und Vertiefung statt. Auch Christus sagte zu Seinen Jüngern: „Ich hätte euch noch vieles zu sagen, ihr aber könnt es noch nicht begreifen". Die Evolution der Weltanschauung Evolution bedeutet Entwicklung und Fortschritt. Es gibt keinen Stillstand in nichts und nirgends; ebenso kein Wissensgebiet, das nicht mehr erweitert werden könnte. Das Weltenall ist in ständiger Bewegung, entweder in Richtung Involution (Versenkung in die Materie) oder in Richtung Evolution im Sinne eines Aufstiegs auf eine höhere Stufe des Geistes. Weltanschauung ist das Schauen der Welt durch den Menschen, sie ist die Betrachtungsweise der Vorgänge in der Welt, die sich in unserem Bewußtsein spiegeln und eine bestimmte Vorstellung über den Zweck unseres Daseins ermöglichen. Weltanschauung ist nichts Feststehendes, sondern unterliegt der Entwicklung beziehungsweise Evolution, sie ändert sich, sobald das Bewußtsein der Menschheit eine höhere Stufe erreicht hat. Die Weltanschauung wird in jeder Kulturepoche erweitert. Jede Weltanschauung hat nur für eine bestimmte Periode Gültigkeit und besitzt keinen dauernden Wert; sie ist immer nur relativ vollkommen, d. h. sie kann jederzeit erweitert und vertieft werden. Religion, als wesentlicher Bestandteil einer umfassenden Weltanschauung, unterliegt ebenfalls den Gesetzen der Evolution. Allerdings wird diese Evolution von den maßgeblichen Theologen geleugnet oder überhaupt gewaltsam aufzuhalten versucht und das Studium evolutionärer Theorien untersagt. (Siehe päpstliche Enzyklika „Humani generis“ 1950.) Bei den Naturwissenschaften ist die Evolution zu offensichtlich, als daß sie übersehen werden könnte. Es würde sich jeder Mensch unsterblich blamieren, wenn er behaupten wollte, er habe jetzt die letzte Erfindung für alle Zeiten gemacht oder die letzte Medizin entdeckt. Auf dem Gebiete der Religion hingegen haben Theologen die Kühnheit, diese Behauptungen aufzustellen, indem sie die Überzeugung zum Ausdruck bringen, sie hätten bereits das allerhöchste religiöse Wissen erreicht, das für alle Zeiten feststehend, keiner weiteren Entwicklung mehr bedarf, ja gar nicht mehr entwicklungsfähig wäre. Es gibt aber auch auf dem Gebiete der Religion genügend Beispiele für eine Evolution. Man denke nur an den Übergang vom Götterglauben der Griechen, Römer und Germanen zum Eingottglauben. Auch der kommende Gottesbegriff wird sich neuerdings vertiefen und wandeln, so daß man über kurz oder lang die Relativität der gegenwärtigen Vorstellungen erkennen wird. a) Das statische Weltbild Wer die Evolution der Weltanschauung aufhalten will, muß sich ein statisches Weltbild schaffen, in der Vorstellung, daß einfach alles stillsteht. Dann wäre es zumindest theoretisch möglich, die geistige Entwicklung für immer auf einem bestimmten Niveau festzuhalten. Dieses statische Weltbild zu finden, war zu allen Zeiten der Wunschtraum der Priesterkaste. Wie sieht nun so ein statisches Weltbild aus? Wollen wir kurz die theologische Vorstellung der Christenheit skizzieren: Gott hat einst die Welt, wie eine Uhr, aufgezogen, die nun bis zum Jüngsten Gericht abläuft und an der nicht mehr gerüttelt werden darf. Ein denkender Mensch wird sich jedoch fragen, was hat Gott die ganze Zeit vor diesem Schöpfungsakt gemacht, wenn nach alttestamentarischer Anschauung die Welt erst vor ca. 6.000 Jahren erschaffen wurde? Die Wissenschaft glaubt übrigens, im Gegensatz dazu, heute durch den Zerfall von Uran in Blei nachweisen zu können, daß die Erde ein Mindestalter von 3-4,5 Milliarden Jahren (oder älter) besitzt. Das Alter der Menschheit selbst ist im Vergleich dazu sehr gering, wird aber von Forschern immerhin mit 18 25 Millionen Jahren angegeben. Welch gewaltige Unterschiede daher im Vergleich mit der „Sechstageschöpfung“! Die christliche Theologie wird zumindest zugeben müssen, daß ihre statischen Vorstellungen lückenhaft sind. Man kommt nicht um die Feststellung herum, daß Gott ewig sein muß, also keinen Ursprung und auch kein Ende haben kann. Und damit kommen wir zu der philosophischen Vorstellung der Unendlichkeit der Zeit und Unbegrenztheit des Weltenalls, zu deren Verteidigung Giordano Bruno im Jahre 1600 auf den Scheiterhaufen stieg, um für seine Überzeugung zu sterben. Wir können weder den Raum noch die Zeit begrenzen, weder einen Anfang noch ein Ende finden. Alles Leben bedeutet unendliche Bewegung und deshalb gibt es in der Weltanschauung weder eine Statik noch einen Stillstand. Ein weiteres Kennzeichen der weltanschaulichen Statik ist die Vorstellung des einmaligen Lebens auf Erden. Die Geburt wird als absoluter Anfang betrachtet, obwohl die Verschiedenartigkeit der Menschen schon beim Betreten der Erde zu denken geben müßte. Sie wäre nämlich ein Faustschlag gegen die Allgerechtigkeit Gottes. Ein gerechter Gott müßte alle Menschen zumindest bei der Geburt den gleichen Bedingungen unterwerfen und sie mit gleichen Gaben ausstatten. Diese Frage kann nur beantwortet werden, wenn wir die kosmischen Gesetze von Karma und Wiedergeburt sowie das Gesetz der Evolution kennen, nach denen im Laufe der Zeit ein gerechter Ausgleich geschaffen und die scheinbare Ungerechtigkeit beendet wird. Auch Himmel und Hölle sind im Sinne von ewig gleichbleibenden Zuständen statische Vorstellungen, aus denen es nach der Vorstellung der Theologen kein Entrinnen geben soll. Diese Begriffe werden durch die Dynamik des Lebens und seiner Evolution ebenfalls widerlegt. Die Begriffe Hölle und Fegefeuer müssen daher in Zukunft als Zustände einer relativen Gottferne betrachtet werden. b) Das dynamische Weltbild Das dynamische Weltbild lehrt die Vorstellung einer ununterbrochenen, fortschreitenden Entwicklung oder ewigen Wandlung. In diesem Sinn gibt es und gab es nie einen Stillstand, wenngleich bestehende Formen nicht mehr entwicklungsfähig sind und deshalb dem Zerfall oder der Vernichtung unterliegen. Auch Kulturen zerfallen und selbst diese Erscheinung ist ein Symptom der Lebensdynamik, d. h. eines Wandlungsprozesses. Das Weltenall existiert an und für sich ewig, hat nie angefangen und wird nie aufhören, nur seine Erscheinungsformen unterliegen einer dauernden Veränderung. Nichts jedoch kann länger in seiner Form bestehen als sein Lebensimpuls andauert. Wenn dieser zu Ende ist, geht die jeweils erreichte Form zugrunde. Der Geist aber, der in die Materie herabstieg und sich mit ihr verband, schafft wieder neues Leben. Die Materie, die zum Aufbau einer Form gebraucht wurde, hat ihre Wandlung vollzogen und wird neuen Aufgaben zugeführt. Die Geburt ist kein absoluter Anfang und der Tod kein Ende. Das Leben kann nach dem Tode unmöglich in einem gleichbleibenden, d.h. statischen Zustand fortgesetzt werden. Wenngleich Perioden der Ruhe den physischen Tod ablösen, würde ewige Untätigkeit und die Unmöglichkeit einer weiteren Entwicklung dennoch einen unerträglichen Stillstand herbeiführen, der zugleich ein Rückschritt wäre. Nicht ohne Grund heißt es daher in alten Sprichwörtern: „Müßiggang ist aller Laster Anfang" und „Wer rastet, der rostet". Der Segen liegt ausschließlich in der Arbeit und noch mehr in der schöpferischen Tätigkeit. Arbeit führt zu schöpferischen Ideen und diese zur Verbesserung und Vervollkommnung des Lebens. Deshalb kann das Leben unseres unsterblichen Selbst mit dem Tod weder beendet noch einem Stillstand unterworfen sein. Seligkeit bedeutet die Überwindung der Gottferne, die als wahre Ursache unserer menschlichen Unzulänglichkeit anzusehen ist. Wir nähern uns dem göttlichen Bewußtseinszustand, aber nur durch unsere angestrengten Bemühungen nach Selbstvervollkommnung, und das wiederum ist ein dynamischer Prozeß. c) Die Relativität des Wissens Seit der Wiederentdeckung durch Albert Einstein kommt der Begriff der Relativität in zunehmendem Maße bei allen Wissenschaften zur Geltung. Er ist jedoch kein Modeschlagwort des 20. Jahrhunderts, denn der deutsche Philosoph Nikolaus von Kues (1401 -1464), genannt Cusanus, der einzige Kardinal, der innerhalb der Kirche den Pantheismus vertrat, lehrte in seiner Schrift „De docta ignorantia“ (Über die gelehrte Unwissenheit) bereits die Relativität des Wissens. Dieser Begriff besagt mit einfachen Worten, daß es zumindest im menschlichen Bereich nichts Absolutes oder absolut Vollkommenes gibt. Weder die Medizin, die Chemie, die Physik oder eine andere Wissenschaft können als abgeschlossen und nicht mehr entwicklungsfähig betrachtet werden. Das gilt auch für die Religion. Die Vorstellungen über Gott und die Zusammenhänge im Weltenall befinden sich noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung und sind deshalb in ihrer gegenwärtigen Fassung nur relativ vollkommen und niemals absolut. Es gibt kein Glaubensdogma, das für alle Zeiten Gültigkeit besäße und deshalb auch keine Unfehlbarkeit in Glaubenssachen. (-lb-)
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