„Demokratie” – ein Missbrauchstitel
W. Augustat

Die Idee der "Demokratie" - ein Kind der griech. Hochkultur - wurde vor rund 100 Jahren in div. europ. Staaten "überhastet" eingeführt, evolutiven Vorgaben entsprechend nicht weiterentwickelt und scheiterte u.a. schließlich auch an mangelnder Bewußtseins- und Charakterschulung der Führungselite und der Staatsbürger.

Die das Tagesbewusstsein der Bürger beherrschenden Krisenthemen hängen im Wesentlichen damit zusammen, dass sich politisch mächtige Finanz-, Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppen scheinbar demokratisch ‚verhalten’ haben, sich der allgemein staatlich gewährten Freiheiten jedoch überwiegend ‚undemokratisch’ bedienten. Von einem gleichen Recht für Alle kann selbst beim besten Willen heute nicht mehr die Rede sein. Das vor rund 100 Jahren in vielen europäischen Staaten hastig und überwiegend improvisiert eingeführte Demokratie-Experiment ist allgemein zu wenig qualitativ weiterentwickelt worden und wurde von den Machteliten sogar gezielt unterminiert und missbraucht. Hierin bestehen auch die Primärursachen für die heutigen Krisen, die solange nicht lösbar sind, wie sich die staatsgesetzlichen und politischen Voraussetzungen nicht in eine ethisch-qualitative Richtung  wandeln!

Wenngleich man der Parole der Französischen, aber auch der Russischen Revolution – FREIHEIT, GLEICHHEIT, BRÜDERLICHKEIT – uneingeschränkt zustimmen muss, bedarf es zur qualitativen Umsetzung dieser Werte innerhalb einer vielschichtigen Völkergemeinschaft bestimmter Bewusstseins- und Charaktervoraussetzungen. Die Teilnehmer innerhalb einer demokratischen Staatskonzeption müssen bereits ein gewisses Minimum an selbstreflektierender Handlungs- und Verhaltensethik sowie charakterlicher Selbstdisziplin entwickelt haben. Ein Manko auf diesem Sektor bringt automatisch kausale „Ungleichheiten“ mit sich, die nicht allein in der Tatsache bestehen, dass es offenkundig Milliardäre und Bettler gibt. Mittlerweile haben sich auch einige Cliquen, zusammengesetzt aus politischen, aber auch rechtlichen Spezialisten der Grundlagen der vielfach noch halbfertigen Demokratien in der Form bemächtigt, dass diese über internationale Netzwerke die wesentlichen Fundamente der staatspolitischen Alltagsstrukturen bestimmen – nicht selten in mafiöser Manier.
 
Es gilt zu betonen, dass die Idee der Demokratie im alten Griechenland geboren wurde, obwohl dort selbst ein „hierarchischer Führungsstaat“ praktiziert wurde. Im alten Griechenland herrschte – wie in England bis in die Neuzeit hinein die „Lords“ – eine Art hochgebildete Adelselite, während das „ungebildete“  Volk keinerlei politische Rechte besaß.  Da es in jener Zeit zwischen der elitären Machtelite keinerlei Rivalitäten oder gar militärische Machtkämpfe gab, sondern das Wohl des Staates und der Gesamtbevölkerung im Mittelpunkt stand, konnte sich – historisch wissenschaftlich  bestätigt – eine außergewöhnliche kulturelle Hochphase herausbilden. Die besten Köpfe Griechenlands – Perikles, Pythagoras, Platon und andere – arbeiteten daran, die Bewusstseins- und Charakterpotentiale der Bürger in dem Maße zu verbessern, dass diese mehr Rechte und Verantwortung – z.B. über Bürgerräte u.ä. – wahrnehmen konnten. Die in den letzten Jahrhunderten primär durch den sozial-kulturell versagenden Kirchen-Adel zu vertretenden und durch diesen ausgelösten  Bürgerkriege bedingten in der Folge halb-demokratische, unfertige, zum Teil willkürliche Staats- und Regierungs-Fundamente, deren Schwachstellen schon im Prozess der staatlichen Werdung – wie auch heute durch die verschiedenen Lobbys – gezielt konstruiert und gekonnt genutzt bzw. missbraucht werden. Die Demokratie ist in ihrer kulturellen Verfeinerung und ethischen Höherentwicklung stehen geblieben!
 
Im Rückblick ist erkennbar, dass sich das königlich-museale Großbritannien ausschließlich als eine kapitalistische, inhumane Demokratie für „Lords“, also für den Adel verstand und die USA – in den unterschiedlichsten Bereichen bis heute – als eine Demokratie 'für rauchende Colts'. Als positiv demokratisch strukturierte Staaten sind hier die skandinavischen Länder und die Schweiz zu erwähnen! Aber auch dort manipulieren weitgehend politische Minderheiten über Koalitionen und Pfründe-Verteilung die große Mehrheit der Bürger, so dass von einer wirklichen Volksvertretung nicht mehr gesprochen werden kann. So ist u.a. die größte Bürger-Gruppe, nämlich die der politischen Nichtwähler, nicht einmal im Parlament vertreten, obwohl sich dieses auch „Bürgervertretung“  nennt. Man sollte dieser  großen Gruppe auf mehrfache Art und Weise eine Mitverantwortung sowie ein Mitbestimmungsrecht einräumen. Hinzu kommt, dass sich die politischen Parteien in den Demokratien über die von ihnen beherrschte Legislative und Exekutive einmauern und diese für ihre Zwecke missbrauchen und lieber über partei-politische Koalitionen entstehende Konkurrenzsysteme gemeinsam bekämpfen. Sofern möglich, erklärt man diese als Staatsfeinde und lässt gerichtlich verbieten, was alles andere als demokratisch ist. Wenn eine Bürgergruppe, gar eine Mehrheit, für ein anderes, gar neues staatliches Regierungs- und Verwaltungssystem eintritt, dann sollte sie dies – natürlich unter Einhaltung der staatlich-demokratischen Grundgesetze – auch tun dürfen.
Viele Ereignisse in den verschiedenen „demokratisch“ regierten Ländern zeigen in der überblickbaren Kulturgeschichte, dass diese Demokratien in der Phase ihrer politischen Machtverwaltung und Machtausübung ihre Bürger und Wähler, zugleich auch die Welt in beschämender Art und Weise belogen und betrogen haben – nicht nur in den USA, nicht nur in England, Deutschland, Frankreich und in anderen „freiheitlich-demokratischen” Staaten.

Das Versagen der gestrigen und heutigen Systeme ist darauf zurückzuführen, dass die demokratischen Grundlagen- und Rahmenstrukturen noch vieler Ergänzungen bedürfen. Daher kann ein Parlament, das aus parteipolitisch folgsamen, jedoch in staatsrechtlichen Prinzipien und Gesetzen unerfahrenen Mitgliedern besteht, unmöglich eine auch nur halbwegs funktionierende Demokratie konstruieren.

Darüber hinaus fehlt dem Begriff „Demokratie“ bis heute staatspolitisch noch immer die wissenschaftliche, politisch-soziale Ausfeilung. Der Weg bis dorthin scheint noch schwierig und langwierig zu sein. Für viele Staaten scheint eine „hierarchische Führungsdemokratie“ zeitgemäß zu sein, denn eine Koalition aus politischen Kleinst-Parteien kann sich zwar die parlamentarische  Mehrheit 'erschleichen', ist aber dann noch immer weit davon entfernt, eine als Staatsführer qualifizierte Führungsperson stellen zu können, die den heutigen und morgigen Problemen gewachsen ist!

Im Rückblick der letzten drei Jahrtausende lässt sich leider erkennen, dass die großen Menschheitsideen und IDEALE – angefangen von denen, die durch die Weltlehrer Buddha, Platon, Konfuzius, Jesus, Mohammed etc. an die Menschheit zur Verwirklichung übergeben wurden – auf halbem Wege hängen, ja immer wieder im menschlichen Unwillen, Unvermögen und Unrat stecken geblieben sind. Ähnlich scheint es nun der hehren, sich aus der Bewusstseinsentwicklung der Menschheit ergebenden Idee der Beteiligung an gesellschaftlicher Verantwortung und Macht, der Demokratie, zu gehen. Diese setzt einen auf Ethik (Charakter) und Bewusstsein basierenden Geistadel voraus! Auf Grundlage dieser Voraussetzung wird es notwendiger- und  richtigerweise als nächste Stufe eine „Führungs- bzw. Staatsführer-Demokratie“ geben, die die Schwächen eines parteipolitischen Machtmissbrauchs minimiert. Der Wähler bevorzugt im allgemeinen ein ethisch streng geführtes politisches Umsetzungssystem, welchem eine bewusstseinsmäßig und charakterlich starke Führungspersönlichkeit vorsteht.

Es ist höchste Zeit, dass die UN die UNESCO im Namen aller Demokratien beauftragt, für die bisher relativ demokratischen Staaten – und jene die es werden wollen – Konzeptionen durch einen Stab internationaler und interkultureller Spezialisten (Gelehrter) auszuarbeiten, die all jene Mängel, Erfahrungen und Fehler berücksichtigen, die bis heute objektiv erkennbar  sind.
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