"Interkultureller Humanismus als Hoffnung für das 21. Jahrhundert"

Die sieben Todsünden der Menschheit:

1. Reichtum ohne Arbeit
2. Genuss ohne Gewissen
3. Wissen ohne Charakter
4. Geschäft ohne Moral
5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit
6. Religion ohne Opfer
7. Politik ohne Prinzipien

                                                    Mahatma Gandhi


 „Verehrter Herr Gandhi,… Sie haben durch Ihr Wirken gezeigt, dass man ohne Gewalt Großes selbst bei solchen durchsetzen kann, welche selbst auf die Methode der Gewalt keineswegs verzichtet haben. Wir dürfen hoffen, dass Ihr Beispiel über die Grenzen Ihres Landes hinaus wirken und dazu beitragen wird, dass an die Stelle kriegerischer Konflikte Entscheidungen einer internationalen Instanz treten, deren Durchführung von allen garantiert wird. Mit dem Ausdruck aufrichtiger Bewunderung".

Albert Einstein


 „Ich mache aber mal die Fiktion, die Phantasie, in tausend Jahren werde es noch eine Menschheit geben, die sogar noch etwas von der Geschichte weiß. An wen, wenn es ein einziger Mensch in unserem Jahrhundert ist, wird man sich positiv erinnern? So würde ich sagen: Mahatma Gandhi, der vorgeführt hat, dass man politische Ziele gewaltlos erreichen kann".

Carl Friedrich von Weizsäcker


"Die Wertschätzungen, die Albert Einstein und Carl Friedrich von Weizsäcker dem hinduistischen Politiker Mahatma Gandhi erweisen, deuten auf einen interkulturellen Humanismus hin, der unserer Auffassung nach innerhalb einer weltweiten Vielfalt von Religionen und Weltanschauungen als Orientierung für das 21. Jahrhundert dienen könnte und sollte.

Unter Humanismus ist hier ein Streben nach echter Menschlichkeit, nach edlem, menschenwürdigen Denken, Fühlen und Handeln, nach Humanität zu verstehen. Nicht nur als Gebot der Vernunft, sondern auch als Gebot des Mitgefühls und nicht in anthropozentrischer Verengung, sondern auch unter Einbeziehung der Natur. „Interkultureller“ Humanismus bezeichnet dann eine Geisteshaltung, die darauf zielt, dass Humanität in allen Kulturen auffindbar ist.

Aus den verschiedenen Kulturen lässt sich daher ein weltanschaulicher Minimalkonsens gewinnen, der als verbindliche Basis für das Zusammenleben auf unserem Planeten dienen und als solche akzeptiert werden kann.

… Mahatma Gandhis Lebensphilosophie wurde aus verschiedenen Quellen gespeist. Neben der indischen Tradition einschließlich des Buddhismus und des Jainismus flossen in seinen Hinduismus die Gedanken der Parsen, der Christen und der Muslime ein. Gandhi gestand, dass er vom Westen viel gelernt habe, vom Jesus der Bibel, von Leo Tolstoi, von den griechischen Klassikern Sokrates und Platon und von vielen anderen mehr. Seine religiöse und politische Genialität zeigte sich in seiner Fähigkeit zur Harmonisierung der westlichen Ideen mit der indischen Tradition. Gandhi wird dafür gerühmt, dass er dem Prinzip Nicht-Gewalt (ahimsa) zur politischen Macht verholfen hat. Seine Ansichten von dem Primat des Ethischen, Moralischen, Solidarischen, Humanistischen und Politisch-Institutionellen können uns helfen, den Herausforderungen der gegenwärtigen Form der Globalisierung zu begegnen. Seine Warnung vor den sieben Todsünden der Menschheit könnte für Religion, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur einen Weg zur Minimierung der Gefahren und Nachteile einer Globalisierung weisen …

Einen interkulturellen Humanismus vertritt auch die interkulturelle Philosophie, die mit der Globalisierung zunehmend an Bedeutung gewinnt und an der Philosophen aus Europa, den USA, Lateinamerika, Indien, China, Japan und Afrika einschließlich der arabischen Länder mitwirken. Unter weltanschaulichem Aspekt betrachtet klärt die interkulturelle Philosophie die Auffassungen der einzelnen Kulturen vom Verhältnis des Menschen zur Natur oder zum Kosmos, wie zum Beispiel die griechische, chinesische, indische oder indianische Verbundenheit mit dem Kosmos, von der die Menschheit des 21. Jahrhunderts gemeinsam lernen könnte. Die Auswirkungen der anthropozentrischen Rücksichtslosigkeit schlagen in Form einer Gefährdung des Weltklimas, im Verlust der Artenvielfalt und in Form von anderen Bedrohungen des komplexen ökologischen Gleichgewichts auf den Menschen zurück. Die interkulturelle Philosophie lehnt eine Naturbeherrschung in Form von Ausbeutung und Plünderung zu Lasten zukünftiger Menschheitsgenerationen, aber auch zu Lasten der nichtmenschlichen Mitwelt als anthropozentrische Verirrung ab. Die Weisheiten der Philosophien der Kulturen der Welt könnten durch „holistische“ Betrachtungsweisen zu einem Ausweg aus der Problemlage beitragen, indem sie den Menschen mahnen, die oft dominierenden Ego-Zentrismen, Ethno-Zentrismen, aber auch die Anthropo-Zentrismen zu überwinden und das „Eingebettetsein“ des Menschen in der Natur zu begreifen. Weder ein plumpes „Zurück zur Natur“ noch ein alleiniges „Zurück zur Kultur“, sondern ein „Zurück zur Natur über den Umweg der Kultur“, verbunden mit der Einsicht in die unaufhebbare Schicksalsgemeinschaft aller Wesen in dem einen großen Haushalt der kosmischen Natur zu gehören, könnte zu einem zukunftsfähigen Zusammenleben auf unserem gemeinsamen Heimatplaneten Erde führen. …

… Zu den Aufgaben einer „Philosophie im Vergleich der Kulturen“ gehört es, die Ethiken der verschiedenen Kulturen einschließlich ihrer Argumentationsmuster, die Ethosformen und die gelebten Moralvorstellungen in einem Dialog der Kulturen im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu untersuchen und die Gemeinsamkeiten mit dem Fernziel ins Bewusstsein zu rücken, dass der moralische Anspruch eines guten Zusammenlebens der unterschiedlichen Kulturen in Zukunft gestärkt wird. Unter weltpolitischem Aspekt unterstützt die interkulturelle Philosophie in Anbetracht der Tatsache, dass viele Weltprobleme nur noch auf internationaler und interkultureller Ebene gelöst werden können, ein „Global Governance System“ unter der Leitung der UNO, sofern es hinsichtlich der Menschenrechte und Menschenpflichten von einem interkulturell und international abgestimmten Konsens getragen wird, bei dem nicht nur die Freiheits-, sondern insbesondere auch die Existenzrechte und die sozialen Rechte der Erdenbürger eine tragende Rolle spielen. Unter weltwirtschaftlichem Aspekt plädiert die interkulturelle Philosophie für ein Primat des interkulturell konsensfähigen, auf eine globale Ethik gegründeten Global Governance System, das die Macht hat, die Lösung der anstehenden Weltprobleme durch Entscheidungen anzugehen, deren Durchführung von allen garantiert wird. Unter zivilgesellschaftlichem, insbesondere auch unter pädagogischem Aspekt fördert die interkulturelle Philosophie die Ausbildung eines planetarischen Bewusstseins, das die moralische Macht entfaltet, die Weltpolitik und die Weltwirtschaft zur Lösung der Weltprobleme im Geiste eines interkulturellen Humanismus zu drängen.

Welche Rolle könnte nun Europa auf dem Weg in eine von einem interkulturellen Humanismus getragene Zukunft spielen, in der die moralische Macht der Nicht-Gewalt das welthistorisch hochwirksame Gegen-Macht-Geflecht aus direkter, struktureller und kultureller Gewalt überwindet? Welche Rolle könnte also Europa dabei spielen, dass kulturelle Gewalt weltweit nicht mehr mit Hilfe von Weltanschauungen, Ideologien, Religionen und anderen geistigen Systemen strukturelle und direkte Gewalt als gottgewollt, geschichtsnotwendig, politisch alternativlos oder wirtschaftlich zwingend geboten rechtfertigt bzw. legitimiert? Inwieweit könnte Europa dazu beitragen, dass die Menschheit auf einer neuen, historisch noch nie genutzten Ebene ihre Lebensgrundlagen bewahrt, einen Frieden mit der Natur schließt, durch mehr globale Gerechtigkeit die strukturelle Gewalt der globalen Apartheid überwindet und einen Frieden mit friedlichen Mitteln auch unter den Menschen in der Vielfalt der Religionen und anderer Glaubenssysteme aufbaut?

Die Hoffnung, die die interkulturelle Philosophie in Europa setzt, besteht darin, dass der lange gepflegte „Eurozentrismus“, der sich in weltanschaulicher, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht über den Globus, nicht selten mit unfriedlichen Mitteln verbreitet hat, im 21. Jahrhundert der Vergangenheit angehören wird. In seinem Buch „Kampf der Kulturen“ gibt der amerikanische Politologe S.P. Huntington einen geschichtlichen Rückblick auf den vom geographischen Europa ausgehenden und auf Amerika übergreifenden Imperialismus, der im 19. und 20. Jahrhundert als westliche Vorherrschaft Asien, Indien, Lateinamerika und große Teile Afrikas kulminierte. Huntington gelangt zu dem Fazit: „400 Jahre lang bedeuteten interkulturelle Beziehungen die Anpassung anderer Gesellschaften an die westliche Kultur“. Als Schlüssel zum Erfolg für den Aufstieg des Westens führt er an:„Der Westen eroberte die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder Werte oder seiner Religion, sondern vielmehr durch seine Überlegenheit bei der Anwendung von organisierter Gewalt.“…

Im 20. Jahrhundert demonstrierten die beiden Weltkriege das grausame Ausmaß der Vorherrschaft der organisierten Gewalt. Die durch die Hiroshima- und Nagasaki- Atombomben zunächst nur symbolhaft angedeutete Möglichkeit einer Selbstvernichtung der Menschheit entwickelte sich durch die Anhäufung von Massenvernichtungswaffen beim Wettrüsten zu einer realisierbaren Option, die auch nach der Beendigung des Kalten Krieges fortexistiert. Unter Huntingtons Optik lässt sich dieses Wettrüsten als ein Streben nach Überlegenheit in der möglichen Anwendung von organisierter Gewalt auffassen, aus dem der Westen nach wie vor, nun mit der Supermacht USA als Zentrum, als militärisch und wirtschaftlich weit überlegener Sieger hervorging. Dabei ist hervorzuheben, dass nicht nur militärische Macht, sondern auch Wirtschaftsmacht nicht selten auf struktureller Gewalt beruht, die durch kulturelle Gewalt mit Hilfe wirtschaftsfundamentalistischer Theorien legitimiert werden kann. In Europa allerdings entwickelte sich während des Kalten Krieges eine der wenigen Inseln des Friedens und Wohlstands: Erzfeinde versöhnten sich nicht nur, sondern kooperierten sogar. Es entstanden stabile Demokratien, die die Schwachen vor den Starken und Mächtigen schützten. Nicht nur innerstaatlich verbesserte sich die Lage der Schwachen. Bei der Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten wurde immer mehr ein gemeinsamer Lebens-Rahmen von Regeln vereinbart, so dass das Recht über die Macht dominiert. Historisch betrachtet verhielten sich die Staaten in der Zeit nach dem Weltkrieg, als ob Europa sich mit über 170-jähriger Verspätung an seinem großen Philosophen Immanuel Kant orientieren würde, der in seinen geschichtsphilosophischen Betrachtungen 1784 schrieb: „Man kann die Geschichte der Menschengattung im großen als die Vollziehung eines verborgenen Plans der Natur ansehen, um eine innerlich – und zu diesem Zwecke auch äußerlich – vollkommene Staatsverfassung zu Stande zu bringen, als den einzigen Zustand, in welchem sie alle ihre Anlagen in der Menschheit völlig entwickeln kann.“ …

… Das 20. Jahrhundert hat dem neuen Jahrtausend ein komplexes Geflecht von meist menschenverursachten Problemen übergeben, bestehend aus Klimaveränderungen, Ozonloch, Umweltgifte, Waldsterben, Wüstenbildungen, Artensterben, Missachtung der Menschenwürde, Überbevölkerung, Welthunger, Wasserknappheit, Armutsmigration, ethnischen Säuberungen, Massenarbeitslosigkeit, Kriege, Staatsterror, Terrorismus, gewalttätiger Fundamentalismus, Massenvernichtungsmittel, exotische Waffen, Rüstungsexport um nur einige zu nennen, so dass die berechtigte Frage gestellt werden kann, ob das Problemgeflecht von gordischer Komplexität überhaupt noch zu lösen ist. Aus der Sicht der interkulturellen Philosophie wird das Leben und Sterben im 21. Jahrhundert ganz entscheidend von der Art der Begegnung der verschiedenen Völker, Nationen, Staaten und Kulturen abhängen, ganz besonders auch davon, ob es der Weltgemeinschaft gelingen wird, die zwangsläufig sich ergebenden Konflikte bei der Verteilung der globalen Güter mit den noch historisch jungen Methoden der „Nicht-Gewalt“ zu lösen oder ob sie auf die Jahrhunderte lang vertrauten Methoden der „organisierten Gewalt“ zurückgreifen wird, was in Anbetracht der zur Verfügung stehenden Gewaltpotenziale zu ihrem Untergang führen kann.

Als Ausweg aus den planetarischen Bedrohungen erhebt Al Gore in seinem Buch „Wege zum Gleichgewicht – Ein Marshallplan für die Erde“ für die Politik die Forderung: „Es gilt, die Rettung der Umwelt zum zentralen Organisationsprinzip unserer Zivilisation zu machen.“ Nach dem Kalten Krieg sollten nun alle Anstrengungen der Herstellung des globalen Gleichgewichts gelten. Im Kontrast zu Al Gores Forderung zeichnet sich ab, dass US-Präsident George W. Bush den Kampf bzw. den Krieg gegen den Terrorismus zum „zentralen Organisationsprinzip“ erhebt. In seiner Rede vom 29.1.2002 vor dem US-amerikanischen Kongress formulierte er als oberste Leitziele für seine Politik: die Sicherheit der USA durch einen Krieg gegen den Terrorismus einerseits und die Neubelebung der Wirtschaft andererseits. Im Kampf gegen das Böse schreibt er den USA sendungsbewusst als neue historische Aufgabe zu: „In a single instant, we realized that this will be a decisive decade in the history of liberty, that we have been called to a unique role in human events.“ Im Sommer 2002 entwickelte die US-Regierung eine Doktrin, in der sie sich das Erstschlagsrecht – in Form von präemptiven Militärschlägen – gegen „Schurkenstaaten“ vorbehielt, womit sie das geltende Völkerrecht beiseite schob und vor der gesamten Weltöffentlichkeit demonstrierte, dass Macht vor Völkerrecht geht. Kurz vor dem Kriegsbeginn gegen den Irak meldete sich Kofi Annan am 10. März 2003 diesbezüglich zu Wort und stellte fest, dass ein militärischer Angriff der USA und deren Verbündeten nicht im Einklang mit der UN-Charta stünde. Nach dem Irakkrieg im Herbst 2003, sprach Kofi Annan im Rückblick von einer „unilateralen und gesetzeswidrigen Anwendung von Gewalt“ und bewertet die präemptive Vorgehensweise der US-Regierung, indem er auf die Erschütterung der Fundamente der Vereinten Nationen hinweist: „Diese Logik stellt eine fundamentale Herausforderung für die Prinzipien dar, auf denen, wie unvollkommen sie auch sein mögen, der Weltfrieden in den vergangenen 58 Jahren ruhte.“ In der Politik der Gegenwart, so Kofi Annan, hat bereits der Kosovo-Krieg von 1999 die Tendenz offenbart, den Sicherheitsrat der UNO nicht in die Bemühungen zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit einzubeziehen und damit die Unzulänglichkeiten der weltpolitischen Institutionen zur Sicherung des Weltfriedens entlarvt, so dass der UN-Generalsekretär sogar vor einem „gefährlichen Weg in die Anarchie“ warnte. Bildet diese Bezugnahme auf den Auftrag der Geschichte im Kampf der Freiheit ein weiteres Beispiel für kulturelle Gewalt, um im Stile vergangener Jahrhunderte die Anwendung von struktureller und direkter Gewalt zu legitimieren? Der Irakkrieg lässt kaum noch Zweifel zu. Im 21. Jahrhundert wird es von entscheidender Bedeutung sein, ob sich insbesondere auch die Supermacht der Weltgemeinschaft, die durch die UNO repräsentiert wird, unterordnet oder ob der bereits zitierte amerikanische Globalisierungsexperte Thomas L. Friedman Recht hat, wenn er diagnostiziert: „Der wichtigste Grund, warum die Vereinigten Staaten die UNO und den IWF, die Weltbank und die verschiedenen Welt-Entwicklungsbanken brauchen, ist der, dass die USA über diese Institutionen ihre Interessen fördern können, ohne dafür immer und überall Leben und Geld von US-Amerikanern aufs Spiel zu setzen.“

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass Kofi Annan in einem dramatischen Appell dringend notwendige Reformen anmahnte: „These are not theoretical issues, but issues of deadly urgency. If we do not reach a consensus on them this year and start to act on it, we may not have another chance. This year, if ever, we must transform the United Nations into the effective instrument for preventing conflict that it always meant to be by acting on several key policy and institutional priorities.“ Allerdings erzielte der Jubiläumsgipfel nur einen Minimalkonsens und blieb weit hinter den Erwartungen des UN-Generalsekretärs zurück. Die entscheidende Frage bleibt also offen, ob es den Staaten in Zukunft gelingen wird, die noch schwach gehaltenen und unzureichend ausgestatteten Vereinten Nationen zu einem „effektiven Instrument zur Verhinderung von Konflikten“ zu reformieren und auf einen Interessensausgleich durch einen „wirklichen Frieden“ hinzuwirken. Zur Realisierung fordert der UN-Generalsekretär explizit auch die Einbeziehung und Unterstützung zivilgesellschaftlicher Kräfte ein, die den dringend erforderlichen Handlungsumschwung durch Bewusstseinsschärfung und öffentlichen Druck fördern könnten.

Zu den zivilgesellschaftlichen Kräften gehört auch die Global Marshall Plan / Planetary Contract Initiative. Die Initiative fühlt sich Kofi Annans Manifest für den "Dialog der Kulturen – Brücken in die Zukunft" verpflichtet und basiert daher ebenfalls auf einem interkulturellen Humanismus. Franz Josef Radermacher, einer der Vordenker der Global Marshall Plan Initiative, weist in seinem Buch „Balance oder Zerstörung“ auf die Notwendigkeit einer „Weltinnenpolitik“ hin, die in Zeiten der Globalisierung die Regelwerke der Weltökonomie kontrollieren müsse. Der von Carl Friedrich von Weizsäcker geprägte Begriff „Weltinnenpolitik“ überwindet die klassische Trennung von Außen- und Innenpolitik souveräner Staaten und verdichtet deren Beziehungen auf einer neuen integralen Ebene zu einer unauflösbaren Verflechtung, die das politische Geschehen auf dem Planeten Erde als Ganzes in den Blick nimmt. Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ zur Folge, könnten fortschrittliche Regelungen in Form von politischen Vereinbarungen oder Verträgen die Menschengattung zu einem „weltbürgerlichen Zustand“ hinführen, in dem das Zusammenleben der Staaten durch eine möglichst vollkommene globale Verfassung geregelt sein wird, die wiederum auf die Verfassungen der Einzelstaaten positiv zurückwirkt. Aus der Sicht der interkulturellen Philosophie plädieren wir dafür, dass die mächtigen, die gegenwärtige Form der Globalisierung beherrschenden „Regelwerke der Ökonomie“ nicht als wirtschaftsfundamentalistische Letztbegründungsinstanz fungieren dürfen, sondern von übergeordneten „weltinnenpolitischen“, „weltethischen“, einem interkulturellen Humanismus verpflichteten Regelwerken kontrolliert und gezähmt werden müssen.

Im Einklang mit Kofi Annans Manifest für den Dialog der Kulturen, der Weltethosidee und der Erdcharta unterstützt die Planetary Contract Initiative die UNO darin, die mächtigen Gestaltungskräfte der Globalisierung – die Politik, die Wirtschaft und die Finanzwelt – für ein international und interkulturell anerkanntes Global Governance System und ein zukunftsfähiges Zusammenleben der Erdenbürger, orientiert an globaler Gerechtigkeit, an Nachhaltigkeit und an einem Frieden mit friedlichen Mitteln, zu gewinnen. Die Orientierung an einer globalen Gerechtigkeit könnte zur Überwindung von Hunger, Armut und Krankheiten führen und die Grundlagen für ein sinnerfülltes Leben in kultureller Vielfalt legen. Die Orientierung an der Nachhaltigkeit zeigt sich verantwortlich, auch für zukünftige Generationen und strebt ein harmonisches Leben im Einklang mit der Natur an."

 Beitrag gekürzt aus: http://www.sonnenseite.com
 
 
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