Vorteile der Gewaltlosigkeit

Empfehlungen aus dem Jahr 1968 von Leobrand, Begründer der Int. Ethischen Gesellschaft "Welt-Spirale", LInz/Austria


Vorwort der Webredaktion: Obwohl sich in den vergangenen Jahrzehnten extreme Veränderungen ergeben haben, bleibt doch die Frage offen: „Zum Guten oder zum Schlechteren?“. Im Hinblick auf den Aufruhr, den man im Bereich der Naturkräfte, aber auch im sozial-psychologischen, im kultur-politischen, im Bereich vieler Krisen und der offiziell praktizierten Gewalt erkennen kann – weisen die Zeiger in Richtung einer deutlichen Verschlechterung!

Leobrand benützt als bildhaftes Beispiel zur pragmatischen Erläuterung der ausschließlich Vorteile bringenden Gewaltlosigkeit das damals (1968) politisch geteilte Deutschland. Wie bekannt, fiel im Jahr 1991 die Wiedervereinigung dem Deutschen Volk – bedingt durch übergeordnete Entwicklungen – in den Schoß. Heute, 2011, ist die Bundesrepublik Deutschland noch sehr weit davon entfernt, den Pfad der Gewaltlosigkeit wenigstens ansatzweise zu beschreiten. Ausschließlich hierdurch würden für Europa neue friedens-pragmatische, aber auch wirtschaftliche Impulse und Möglichkeiten entstehen. An der grundsätzlich zu praktizierenden Gewaltlosigkeit darf nicht gerüttelt werden!

Dies wünschen wir uns für Deutschland, für Europa, und für die Menschheit ... – daher: Wann empört Ihr Euch endlich?

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Auszug aus der Broschüre von Leobrand (1915-1968): „Neues EUROPA- und WELT-ABC”

  • Die waffentechnische Entwicklung zwingt die Völker in zunehmendem Maß strategisch und taktisch zu einer Politik der Gewaltlosigkeit. Gewaltlosigkeit ist daher eine weitere Stufe der menschlichen Evolution. Sie setzt eine höhere moralische Reife voraus, da eine Politik der Gewaltlosigkeit oder des Gewaltverzichts von niemandem erzwungen werden kann.
     
  • Gewaltlosigkeit kann den Feind zum Freund machen, sie kann Haß und Feindschaft in Achtung und Freundschaft verwandeln, was allen Beteiligten zum Nutzen gereicht. Bei einer Politik der Gewaltlosigkeit gibt es keine Besiegten, sondern nur Sieger und Gewinner, zumal sich auch die wahnsinnigen Rüstungsausgaben für friedliche Projekte umdisponieren lassen.
     
  • Gewaltlosigkeit bedeutet nicht Passivität im Sinn von Nichthandeln oder Nichtwollen, denn auch derjenige, der nicht handelt, handelt in Wahrheit doch. Wer nicht will, der will, daß er nicht will. Gewaltlosigkeit oder Gewaltverzicht bedeutet daher auf alle Fälle immer Aktivität und positives Denken, Wollen und Handeln, die zu einer Humanisierung der Menschheit führen werden.
     
  • Gewaltlosigkeit und Gewaltverzicht sind keine Schwäche, sondern eine geistige Macht und die Voraussetzung für den Aufbau einer friedlichen Welt durch Selbstbeherrschung und Opferbereitschaft im Glauben und Wissen, daß durch die Macht der Gedanken und des Vorbildes das Gute und Bessere früher oder später siegreich sein wird. In diesem Sinn muß auch dem Bösen und Negativen ein geistiger Widerstand entgegengesetzt werden.
     
  • Gewaltlosigkeit ist ein Sieg der Diplomatie, der Liebe und der Brüderlichkeit. Sie gestattet jedoch das Recht des passiven Widerstandes und der Verweigerung der Zusammenarbeit mit solchen Partnern, die offensichtlich eine egoistische Politik verfolgen.
     
  • Die Politik und Taktik der Gewaltlosigkeit bedeutet Widersetzung gegen das Böse und gegen das Unrecht, jedoch nicht mit Gewalt, sondern mit geistigen und diplomatischen Mitteln, eine Politik der Nächstenliebe und Brüderlichkeit, die im Sinn einer wahren Ethik allein einen dauerhaften Weltfrieden sichern können.
     
  • Das deutsche Volk hat durch den Verlust zweier Weltkriege und durch das Mißlingen des nationalsozialistischen Experiments heute die Möglichkeit, in geistiger Hinsicht umzuschalten und die Führung in der politischen Synthese im Sinn einer Pannationalen Union und des Natursozialismus zu übernehmen. Aus diesem Grund ist auch Deutsch wieder als internationale Verständigungssprache zuzulassen und vor allem als Weltfriedenssprache zu wählen. Deutschlands Parole muß lauten: Kein Krieg mehr aus oder wegen Deutschland, aber maßgeblicher Beitrag zum Weltfrieden durch Deutschland. Ob die Deutschen jedoch die neue große Chance ihrer Geschichte erkennen, indem sie von der Gewalt auf Gewaltlosigkeit umschalten, muß man erst abwarten.
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