"Empört Euch!"

In diesem gleichnamigen Büchlein hat der über 90-jährige Autor Stéphane Hessel seine Lebenserfahrungen sowie sein ethisch betontes Lebensverhalten in kompakter Form auf den Punkt gebracht! Worüber sind Sie empört? Wir, die internationale Gesellschaft FRIEDEN durch KULTUR ist empört, dass .....

Vorwort:"Empört Euch"so heißt ein kleines Büchlein, in welchem ein über 90-jähriger Autor (Stéphane Hessel, Ullstein-Verlag) seine Lebenserfahrungen sowie sein ethisch betontes Lebensverhalten in kompakter Form auf den Punkt gebracht hat! Mögen die jüngeren Generationen lernen, mit dem Herzen zu empfinden, zu denken ... und über das Herzfeuer gestärkt zu handeln.

Wichtiger Hinweis:

  • Empörung beruht auf Beweggründen (Motiven) ethisch-moralischer Art. Sie äußert sich als emotionell-energetische Bewegungs- und Handlungsenergie, als Herzensstimme und Herzensreaktion und kommt aus dem Höchsten in der Konstitution des spirituellen Menschen, aus seinem Herz-Zentrum. Es geht hier um das Spannungsfeld zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Ehrlichkeit und Lüge, charakterliche Sauberkeit und Korruption, Bestechlichkeit, Käuflichkeit u.a.m.
     
  • Empörung ist ein notwendiger, mit klärender ethisch-spiritueller Aktion zu beantwortender Akt einer inneren, für Geist und Charakter notwendigen Gesundheitshygiene!
     
  • Im Unterschied zu einer aus dem Herzen kommenden gerechten, gesunden, als Reinigungsakt notwendigen Empörung entstehen Wut, Zorn, Gewaltbedürfnisse und ähnliche Emotionen im Solarplexus (Bauchzentrum). Die dabei entstehenden Energien sind selbstzerstörend, krankmachend und schwächend!

    Jedoch entspringt reine Empörung einem liebenden Herzen!                           (- wr -)


Auszug aus dem Buch „Empört Euch!”

"Wir müssen den Weg der Gewaltlosigkeit gehen lernen

Die Zukunft gehört der Gewaltlosigkeit und der Versöhnung der Kulturen – davon bin ich überzeugt. Das muss, das wird die nächste Etappe der Menschheit sein. Man kann – hier stimme ich mit Sartre überein – die Bombenwerfer nicht entschuldigen, aber verstehen. Sartre schrieb 1947: »Ich gebe zu, dass Gewalt, in welcher Form sie sich auch immer äußert, ein Scheitern ist. Aber es ist ein unvermeidbares Scheitern, weil wir in einer Welt der Gewalt leben; und wenn es wahr ist, dass der Rückgriff auf Gewalt gegen Gewalt sie zu verewigen droht, so ist auch wahr, dass sie das einzige Mittel ist, sie enden zu lassen.«

Dem füge ich hinzu: Ein noch besseres Mittel gegen Gewalt ist Gewaltlosigkeit. Es geht nicht an, nach Sartres Beispiel im Namen des von ihm postulierten Prinzips Terroristen zu unterstützen, sei es während des Algerienkriegs oder 1972 beim Attentat gegen israelische Athleten während der Münchner Olympischen Spiele. Damit kommt man nicht weiter, und Sartre selbst hat sich am Ende seines Lebens gefragt, welchen Sinn Terrorismus habe, und seine Berechtigung bezweifelt. »Gewalt wirkt nicht«, ist eine wichtigere Erkenntnis, als zu wissen, ob ihre Vollstrecker zu verurteilen sind oder nicht. Terrorismus wirkt nicht. Wirksamkeit setzt gewaltlose Hoffnung voraus. Gewalttätige Hoffnung kommt allenfalls in der Dichtung Guillaume Apollinaires vor – »Wie brutal doch die Hoffnung ist« – nicht in der Politik. Im März 1980, drei Wochen vor seinem Tod, erklärte Sartre: »Man muss zu erklären versuchen, warum die gegenwärtige Welt, die schrecklich ist, nur ein Augenblick im langen geschichtlichen Ablauf ist, dass die Hoffnung immer schon eine der großen Triebfedern der Revolutionen und Aufstände war, und wie sehr spüre ich noch, dass die Hoffnung meine Vorstellung von der Zukunft ist.«

Wir müssen begreifen, dass Gewalt von Hoffnung nichts wissen will. Die Hoffnung ist ihr vorzuziehen – die Hoffnung auf Gewaltlosigkeit. Das ist der Weg, den wir einschlagen müssen. Wenn es gelingt, dass Unterdrücker und Unterdrückte über das Ende der Unterdrückung verhandeln, wird keine terroristische Gewalt mehr erforderlich sein. Deshalb darf man nicht zulassen, dass sich zu viel Hass aufstaut.

Die Botschaft eines Mandela, eines Martin Luther King ist ein Credo jenseits einer Welt ideologischer Konfrontation und eroberungswütiger Totalitaristen. Es ist eine Botschaft der Hoffnung, dass die Gesellschaften unserer Zeit Konflikte durch gegenseitiges Verständnis in wachsamer Geduld werden lösen können – auf der Grundlage unabdingbarer Rechte, deren Verletzung, von welcher Seite auch immer, unsere Empörung auslösen muss.

Für einen Aufstand in Friedfertigkeit

Ich habe – nicht als Einziger – bemerkt, wie die israelische Regierung reagiert, wenn die Bürger von Bil'in jeden Freitag gewaltlos, ohne Steine zu werfen, an die Mauer gehen, die der Gegenstand ihres Protestes ist. Die israelischen Behörden haben diesen Marsch als »gewaltlosen Terrorismus« charakterisiert. Nicht schlecht ... Um Gewaltlosigkeit terroristisch zu nennen, muss man schon in der Lage der Israelis sein. Und vor allem muss einen die Wirksamkeit der Gewaltlosigkeit irritieren, die darauf setzt, von allen Gegnern von Unterdrückung in der Welt verstanden und unterstützt zu werden.

Das im Westen herrschende materialistische Maximierungsdenken hat die Welt in eine Krise gestürzt, aus der wir uns befreien müssen. Wir müssen radikal mit dem Rausch des »Immer noch mehr« brechen, in dem die Finanzwelt, aber auch Wissenschaft und Technik die Flucht nach vorn angetreten haben. Es ist höchste Zeit, dass Ethik, Gerechtigkeit, nachhaltiges Gleichgewicht unsere Anliegen werden. Denn uns drohen schwerste Gefahren, die dem Abenteuer Mensch auf einem für uns unbewohnbar werdenden Planeten ein Ende setzen könnten.

Immerhin haben wir aber seit 1948 auch bedeutende Fortschritte erzielt und erlebt: Das Ende der Kolonialherrschaft und der Apartheid, den Untergang des Sowjetreichs, den Fall der Berliner Mauer. Dagegen hat das erste Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts einen Rückschritt gebracht. Als Gründe dafür sehe ich unter anderem die Präsidentschaft von George Bush, die Anschläge vom 11. September und die verheerende Reaktion der Vereinigten Staaten mit ihrer militärischen Irak-Intervention. Wir erleben diese Wirtschaftskrise, haben uns aber trotzdem nicht stärker für eine neue Entwicklungspolitik eingesetzt. Der Klimagipfel in Kopenhagen brachte uns keine diesen Namen verdienende Politik zur Bewahrung unseres

Planeten. Nun sind wir an einer Schwelle angelangt: Hinter uns die herben Enttäuschungen des ersten Jahrzehnts, vor uns die Möglichkeiten der kommenden Dezennien.

Aber wir müssen hoffen, immerzu hoffen. Die 90er Jahre hatten große Fortschritte gebracht: Die UNO-Konferenzen von Rio 1992 über die Umwelt und von Peking 1995 über die Lage der Frauen, im September 2000 auf Initiative des UNO-Generalsekretärs Kofi Annan die Erklärung der 191 Mitgliedsländer über »acht Millenniums-Entwicklungsziele« – eines der wichtigsten die Halbierung der Armut in der Welt bis 2015. Zu meinem großen Bedauern haben bisher weder Obama noch die Europäische Union sich geäußert, welchen Beitrag zu einer konstruktiven, auf den Grundwerten beruhenden Entwicklungsphase sie zu leisten gedenken.

Wie soll ich diesen Aufruf zur Empörung beschließen? Indem ich noch einmal daran erinnere, was wir, die Veteranen der Resistance und der Kampfverbände des Freien Frankreich aus den Jahren 1940 bis 1945, am 8. März 2004 anlässlich des 60. Jahrestages der Verkündung des Programms des Nationalen Widerstandsrates sagten: »Der Nazismus ist besiegt worden dank dem Opfer unserer Brüder und Schwestern in der Resistance und der im Kampf gegen die faschistische Barbarei verbündeten Nationen. Doch die Bedrohung ist nicht vollständig gebannt, und unser Zorn über die Ungerechtigkeit ist nicht gewichen.«

Nein, die Bedrohung ist nicht ganz gebannt. Und so rufen wir weiterhin auf zu »einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle.«

Den Männern und Frauen, die das 21. Jahrhundert gestalten werden, rufe ich aus ganzem Herzen und in voller Überzeugung zu:

 

»Neues schaffen heißt
Widerstand leisten.
Widerstand leisten heißt
Neues schaffen.«

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